Liebe Schachfreunde,

der Kampf in Bad Königshofen war reich an Höhepunkten. Ich kann leider nicht auf alle Einzelheiten eingehen, denn sonst würde ich noch morgen früh am PC sitzen. Also hier ein kurzer Abriss dieses wichtigen Matches. Leider mussten wir ersatzgeschwächt antreten, nachdem Markus verhindert war und Großmeister Stefan nach der anstrengenden Europameisterschaft in Griechenland ein häusliches Wochenende einlegte. Da bei Bad Königshofen viele starke Tschechen aufgestellt sind, war uns klar, dass es ein harter Kampf werden würde.

Gewisse Probleme hatte ich auch mit der Suche nach dem Ersatzmann an Brett 8, wurde aber kurzfristig bei unserem Vereinsmeister Stefan fündig. Dieser lieferte auch gleich die erste spektakuläre Vorstellung des Tages ab:

1.e4 Sf6 2.e5 Sd5 3.d4 d6 4.c4 Sb6 5.f4 dxe5 6.fxe5 c5 7.d5 e6 8.Sc3 exd5 9.cxd5 c4 10.d6 Sc6 11.Lf4 g5 Scheinbar läuft alles ideal für Schwarz, wenn er einfach zu Lg7 kommt, aber Weiß hat noch einen giftigen Pfeil im Köcher. 12.Se4! gxf4 13.Sf6+ Dxf6 14.exf6 Le6

Eine ziemlich unübersichtliche und nicht alltägliche Stellung! Schwarz musste die Dame für zwei Figuren geben, aber Weiß ist ziemlich unterentwickelt, und die schwarzen Bauern sind nicht ungefährlich. Nach dem weiteren 15.Dd2 0-0-0 16.0-0-0 hätte Stefan meines Erachtens sich einfach auf d6 bedienen sollen, er hatte aber Angst vor dem Rückopfer der Dame, was zu einer in etwa ausgeglichenen Stellung geführt hätte. Stattdessen griff Stefan zu 16...Tg8 und geriet allmählich in Nachteil, und musste im 31. Zug aufgeben.

Erstmals in dieser Saison kam die bosnische Nationalspielerin Elena Boric zum Einsatz, und bedankte sich prompt in Form eines mühelosen Sieges, sodass es an den letzten beiden Brettern wieder ausgeglichen stand. An allen anderen Brettern tobte ein erbitterter Kampf, wobei Falk mal wieder am besten wegkam, und seinen Gegner Studnicka bereits im 33. Zug zur Aufgabe zwang. Ich bin immer wieder erstaunt, wie sicher und scheinbar mühelos Falk seine Partien gewinnt! Eine weitere hochkritische Partie stand bei Martin Motl auf dem Brett. Nach ungünstigem Eröffnungsverlauf drehte Martin diese Partie nach und nach noch um, und zwang seinen Gegner mit einem Mattangriff bei hängendem Blättchen zur Aufgabe – diese Partie hat mir sehr gefallen.

Auch bei mir war leider die Eröffnung total schief gelaufen, nachdem ich einen Gegenstoß unterschätzt hatte, und mich anschließend auf eine langwierige Verteidigung einrichten musste. Jirovsky spielte dann wirklich sehr stark bis zu folgendem Endspiel, das ich den Lesern nicht vorenthalten möchte:

Hertneck-Jirovsky M.

Schwarz steht vor einer wichtigen Gabelung. Der Versuch 49...Txf3 scheidet offensichtlich aus wegen 50.Ke2 nebst Sxf4. Doch wie steht es mit den anderen drei Optionen? In der Partie war ich überzeugt, dass Schwarz mit dem Übergang ins Turmendspiel am besten fährt, also 49...Se3+ 50.Sxe3 Txe3, wonach ich 51.Tf2! geplant hatte. Es stellt sich heraus, dass sowohl nach dem von mir berechneten 51...Td3+ 52.Ke2 Txd4 53.Th2 a4 54.Th8 axb3 55.axb3 eine sehr hübsche positionelle Remisstellung entsteht, in der der schwarze turm sich nicht mehr befreien kann. Und auch nach  51...Kg5 52.Tg2+! Kf5 53.Tf2 hält Weiß gerade noch die Balance. Dies hatte ich noch alles richtig berechnet.

Richtig war aber der Übergang ins Springerendspiel mit 49...Txd2+ 50.Kxd2 Kg5! (deckt den wichtigen Bauern) 51.Kd3 Sd6 52.Kd2 Sb5 53.Kd3

Scheinbar hält Weiß gerade so eben die Blockade (auf Sc3 folgt offensichtlich a3), doch nach dem folgenden Dreiecksmanöver 53...Kf5! 54.Se1 (oder 54.Sh4+ Kf6) 54...Kg6 55.Sg2 Kg5 ist Weiß in entscheidendem Zugzwang, und kann praktisch aufgeben. Beide Spieler sahen diese Möglichkeit am Brett nicht, was wieder einmal zeigt, dass Endspiele auch von erfahrenen Spielern nicht leicht zu spielen sind! Dies war übrigens schon das zweite Mal in zwei Wochen, dass ich ein Springerendspiel falsch berechnete...

In der Partie (siehe vorheriges Diagramm) folgte für mich unverständlich 49...Txd4 50.Txd4 Sxd4 51.Sxf4 Ke5 52.Sd3+ Kf5 und nun hielt ich mit dem Trick 53.Se1 Kf4 54.Kd2! Remis. Denn wenn der schwarze Springer den Bauern f3 schlägt, steht Weiß nach dem Übergang in das Bauernendspiel sogar besser! Nach einem weiteren Fehler von Schwarz konnte ich sogar kurzzeitig noch auf Gewinn spielen.

Leider stellte sich zwischenzeitlich heraus, dass Uli auf die Verliererstraße geraten war, und auch Daniel kämpfte mit zwei Minusbauern auf verlorenem Posten. Diese beiden Partien mussten wir also schweren Herzens abschreiben. Somit hing alles an der Partie von Erasmus, der ein günstiges Endspiel gegen Anastasia Savina auf dem Brett hatte. Diese Partie verfolgten wir also mit bangen Blicken, denn bei bester Verteidigung schien ein Remis noch im Rahmen des Möglichen. Doch am Ende setzte sich ein hochkonzentrierter und eiskalter (Zitat Erasmus) Zugzwängler durch. Also ein knapper 4,5 zu 3,5 Sieg, der uns für die kommenden Runden fröhlich stimmt. Freilich ist die Konkurrenz in Form vom FC Bayern, Wacker Neutraubling und Passau nicht zu unterschätzen, und wir werden uns weiter harte Kämpfe liefern!

   
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