Liebe Schachfreunde,

am gestrigen Sonntag verlief in der ersten Runde gegen Bindlach leider nicht alles nach Plan für Zugzwang. Ich möchte es an dieser Stelle relativ kurz machen, weil der Kampf bei mir nicht gerade freudige Erinnerungen wachruft. Hinzu kommt noch, dass ich keine Partien (außer meiner eigenen) beisteuern kann, weil anders als in den bayerischen Ligen die Partien vom Deutschen Schachbund nicht auf der Homepage veröffentlicht werden. Generell hat sich unsere Webplattform mit dem Aufstieg verschlechtert statt verbessert, siehe das armselige Resultat hier.

Der Kampf hätte nach Papierform 4:4 ausgehen müssen, doch am Schluss fehlte uns dazu nach einem dramatischen Finish ein halbes Pünktchen. Auf dem Weg dorthin war allerdings einiges schief gelaufen, denn weder Erasmus noch ich konnten unsere Gewinnstellungen in einen vollen Punkt ummünzen. Und Alex gelang zuvor sogar das „Kunststück“, im 40. Zug die Zeit zu überschreiten – in einer durchaus haltbaren Igel-Stellung. Dabei hatte das Match doch ganz gut angefangen. denn unser fehlendes Spitzenbrett Stefan Kindermann wurde dadurch kompensiert, dass auch unsere Gegner ohne ihren Spitzenmann antraten. Auch mit dem frühen Remis von Markus Lammers war ich angesichts des Eröffnungsresultats nicht unzufrieden. Martin kam leider nach schlechter Eröffnungsbehandlung in Zeitnot, und konnte die Probleme nicht mehr lösen, wobei ich vor seinem Gegner Jürgen Delitzsch aufgrund einer eigenen Begegnung in Bad Wiessee noch heute große Hochachtung habe! Bei Bernhard sah es mehr oder weniger die ganze Partie lang aus, als ob man sich friedlich trennen würde, und so kam es denn auch. Besonders erfreut war ich jedoch, als unser Neuzugang Stefan Bromberger am Spitzenbrett gegen Axel Heinz ein für ihn typisches taktisches Feuerwerk abbrannte, und den vollen Punkt einkassierte. So stand es also nach der Zeitkontrolle 2,5 zu 3,5 gegen uns, jedoch erwartete ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mindestens 1,5 Punkte aus den beiden noch laufenden Partien.  Da ich selbst am Brett zur Genüge beschäftigt war, konnte ich die Partie von Erasmus nicht weiter verfolgen, aber das Endspiel (und vorher das Mittelspiel) war nach übereinstimmender Meinung gewonnen, bis er es zum Remis verdarb. Meine eigene (Fehl)Leistung kann ich dagegen näher kommentieren:

 

Neumann,P (2470) - Hertneck,G (2520)

Diag1

Schwarz kann mehr als zufrieden sein – er hat drei Bauern für die Qualität, und sein König steht sicher, was man von seinem weißen Rivalen nicht gerade sagen kann. 48...S6d5? Leider die falsche Entscheidung, weil sich Weiß nun gut entlasten kann. Richtig war 48...Sxa4!, wonach ich bereits 4 Bauern für die Qualität gehabt hätte, und der momentan abseits stehende Springer schnell wieder über c5 ins Spiel kommt. Ehrlich gesagt, ist mir völlig schleierhaft, wieso ich das nicht gespielt habe! Möglich war auch 48...Kh8!? mit der Idee Lg8 auch wenn Schwarz nach 49.Lxb4 axb4 50.a5 den diffizilen Zwischenzug f4! Finden muss. Und sogar 48...Sc4 49.Lxb4 axb4 wäre besser gewesen als die Partiefortsetzung, aber ich hatte Angst vor der Fesselung auf a2 (die hier wegen Sd2+ gar nicht funktioniert). 49.Lxb4 Sxb4 50.Sf2

Diag2

50...f4? Oft folgt in der Praxis auf den ersten Fehler gleich der zweite. Ich wollte einfach so schnell wie möglich den Läufer auf h7 befreien, was in psychologischer Hinsicht durchaus verständlich ist, da er seit fast 30 Zügen auf h7 eingesperrt war. Jedoch kommt die damit verbundene Öffnung der Stellung nur Weiß zugute, wie sich gleich zeigen wird.  Besser war daher 50...Kh8! 51.Db8 Dd6 52.Dxd6 Lxd6 oder sogar 50...De8!? (Vorschlag Bromberger), auch wenn die Lage nach 51.Db6 mit Angriff auf die Bauern a5 und d4 noch nicht ganz klar ist, z.B. 51...Dxh5 52.Dxd4 Df7 usw. 51.Lxh7+ Kxh7 52.Tf3 Sd5 53.Db1+ Kg8 54.De4!

Hier wurde mir klar, dass sich mein ursprünglicher Vorteil nahezu verflüchtigt hatte, denn nun sind die schwarzen Freibauern eher schwach als stark, und die weiße Dame hat ihr Idealfeld im Zentrum gefunden. Noch dazu scheitert 54...Se3+ an 55.Txe3. 54...Df7 Vielleicht hätte ich mich an dem Endspiel nach 54...Kf7 versuchen sollen (um den König schnell ins Zentrum zu bringen), aber ich hatte übersehen, dass Schwarz nach 55.Dxd4 Se3+ 56.Kg1 mit g5! seinen Vorteil bewahrt. Die Engines geben übrigens Df7 als stärksten zUg an. 55.Sd3 Dxh5? Nur mit 55...Ld6! konnte ich nicht auf Vorteil hoffen, denn der Bauer f4 musste stabilisiert werden. Ich sah den Zug auch, aber er war mir irgendwie unsympathisch, und außerdem lief mir hier schon die Zeit davon. Ich folgte daher meinem ursprünglichen Plan. 56.Sxf4 Dh1+ 57.Kf2 Dh2+ 58.Sg2 Auch 58.Kf1 Se3+ 59.Txe3 dxe3 60.De6+ Kh7 61.Df5+ g6 62.Df7+ Lg7 63.Dxg6+ Kg8 64.De8+ führt zum Remis durch Dauerschach. 58...Dd6 59.Dxd4 Dc6 [59...Db6 60.Dxb6 Sxb6 61.Tf5 Lb4 62.Sf4 Sxa4 63.Sd3] 60.Kf1 Sf6 61.Tc3 Db7 62.Dc4+ Kh7 63.Dd3+ g6 64.Tc4 Lg7 65.Sf4 Df7 Ich schöpfte noch ein wenig Hoffnung auf einen Angriff, aber inzwischen sind die schwarzen Figuren zu schlecht koordiniert 66.Kg1! Sg4? 67.Dxg6+ Dxg6 68.Sxg6 ½–½ Remis auf Angebot meines Gegners, auch wenn er hier bereits besser steht.

Diag3

Leider muss ich feststellen, dass ich mit dem Fischer-Modus nicht besonders gut zurecht kam. Die Verkürzung der Bedenkzeit macht sich im Alter doch bemerkbar! Hier noch eine wichtige Ankündigung: der nächste Kampf gegen die Schachabteilung des FC Bayern findet am 11.11. ab 11 Uhr in der Schachakademie statt – dies ist kein Faschingsscherz.

   
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